Wunderbar gemacht. Die Perle, die du bist

1. Die kleine Kostbarkeit

Nehmt die kleine perlmuttfarbene Ich-Perle zwischen eure Finger. Sie ist unscheinbar und doch kostbar. Klein und dennoch unendlich wertvoll. Wie du selbst – auch wenn du das nicht immer siehst.

Diese Perle spiegelt das Licht auf ihrer Oberfläche. Sie schimmert in verschiedenen Farben. Manchmal silbern, manchmal rosig, manchmal golden.

Martin Lönnebo sagte: „Sieh auf dich selbst mit Liebe. Du bist eine Perle unter anderen Perlen.“¹

2. Das Spiegelbild der Seele

Die Ich-Perle ist perlmuttfarben. Perlmutt entsteht, wenn eine Muschel verletzt wird. Sie umhüllt die Verletzung mit kostbaren Schichten. Schicht um Schicht entsteht etwas Wunderschönes.

Auch du umhüllst deine Verletzungen. Mit Hoffnung, mit Mut, mit Heilung. Manche deiner Narben werden zu kostbaren Zeichen. Manche deiner Brüche zu Orten des Lichts.

Nicht alle. Nicht immer. Manche Brüche bleiben Brüche. Manche Wunden heilen nicht vollständig. Aber manchmal – manchmal wird aus einer Verletzung etwas Schönes. Und das ist genug.

Die Ich-Perle lehrt dich: Du musst nicht heil sein, um wertvoll zu sein. Du bist kostbar – mit deinen Narben.

3. Gottes Gedanke von dir

Im Psalm heißt es: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke.“²

Das steht in einem Psalm, der von Gottes Allwissenheit spricht: „Du hast mich erforscht, Gott, und du kennst mich“ (Psalm 139,1). Das kann tröstlich sein – oder auch beunruhigend. Denn es bedeutet: Ich kann mich nicht verstecken. Ich bin gesehen, ob ich will oder nicht.

Aber es bedeutet auch: Ich bin gewollt. Nicht zufällig. Nicht beliebig. Ich bin ein Gedanke Gottes, Fleisch geworden. Ein Traum des Himmels, der Gestalt annahm.

Du bist keine zufällige Ansammlung von Atomen. Du bist gewollt. Du bist gemeint. Du bist ein Original, keine Kopie.

4. Die Sprache der Selbstliebe

Die Ich-Perle lehrt uns eine schwere Lektion: Wie sprechen wir mit uns selbst? Welche Worte wählen wir für unsere Gedanken über uns? Sind wir gnadenvolle Freunde oder strenge Richter?

Du bist geliebt, bevor du irgendetwas leistest. Du darfst freundlich mit dir umgehen – wie mit einem guten Nachbarn, der deine Tür kennt und nicht klopfen muss, um willkommen zu sein.

Das ist keine psychologische Technik. Das ist Theologie: Gottes Blick auf dich kommt vor deinem Blick auf dich selbst. Seine Bejahung steht am Anfang – nicht deine Leistung.

5. Die Einzigartigkeit des Seins

Keine Perle gleicht der anderen. Jede hat ihre eigene Form, ihre eigene Größe. Ihre eigene Art zu schimmern. So bist auch du einzigartig.

Es gibt dich nur einmal in der Geschichte der Menschheit. Deine Kombination aus Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen ist unwiederholbar. Dein Blick auf die Welt ist unersetzlich.

Du musst nicht perfekt sein. Du musst nur echt sein.

Das ist reformatorische Theologie: Du bist nicht gerecht, weil du dich anstrengst. Du bist gerecht, weil Gott dich gerecht spricht. Vor aller Leistung. Vor aller Selbstoptimierung. Vor allem Müssen.

6. Die Heilung der Selbstverachtung

Viele von euch sind müde von sich selbst. Müde von der inneren Kritik. Müde von den Stimmen, die euch klein machen. Die Ich-Perle lädt euch ein zum Frieden.

Vielleicht ist es Zeit für eine innere Versöhnung. Zeit, euch selbst zu vergeben. Zeit, euch anzunehmen, wie ihr seid.

Vielleicht gelingt sie heute nicht – aber ihr könnt anfangen. Einen kleinen Schritt. Einen einzigen Satz.

Legt die Perle auf euer Herz. Spürt ihren kleinen, kostbaren Druck. Sprecht leise zu euch: „Ich bin da. Ich bin wichtig. Ich bin geliebt.“

Das ist keine Selbsttäuschung. Das ist ein Akt des Vertrauens: dass Gottes Blick auf dich wahrer ist als dein Blick auf dich selbst.

7. Die tägliche Erinnerung

Nehmt die Ich-Perle mit in euren Alltag. Lasst sie in eurer Tasche rollen. Fühlt sie zwischen euren Fingern, wenn ihr zweifelt.

Wenn die Stimmen der Selbstkritik laut werden, berührt die Perle. Wenn ihr vergessen habt, wer ihr wirklich seid, haltet sie fest.

Sie ist euer stiller Zeuge: Du bist wunderbar gemacht.

8. Das Gebet der Selbstannahme

Gott, der du mich kennst besser als ich mich selbst kenne,
hilf mir, mich mit deinen Augen zu sehen.
Lehre mich die Sprache der Selbstliebe.
Heile mich von der Sucht nach Perfektion.

Lass mich erkennen:
Ich bin ein Original, keine Kopie.
Ich bin ein Gedicht, das du geschrieben hast.
Ich bin ein Lied, das nur ich singen kann.

Wenn ich mich vergesse, erinnere mich – auch wenn ich deine Stimme nicht immer höre.
Wenn ich mich verurteile, sprich Gnade – auch wenn ich sie nicht immer spüre.
Wenn ich mich verstecke, ruf mich ins Licht – auch wenn ich noch im Dunkeln sitze.

Denn ich bin dein geliebtes Kind.
Nicht weil ich es verdient habe.
Sondern weil du mich gewollt hast.

Amen.


¹ Martin Lönnebo: Perlen des Glaubens. Ein Begleitbuch. Claudius Verlag, 4. Auflage 2013.
² Psalm 139,14 (BasisBibel)