Über mich

Wer ich bin

Ich bin Matthias Schmidt, evangelischer Theologe und Klinikseelsorger für das Evangelische Dekanat Nassauer Land. Ich arbeite in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken sowie im Hospiz – an Orten, wo Menschen mit Erschöpfung, Burnout, Depression und dem Sterben ringen.

Meine Arbeit beginnt da, wo die großen Antworten nicht mehr tragen. Wo Menschen fragen: Warum ich? Warum jetzt? Wo ist Gott, wenn es dunkel wird?

Weitere Infos zu meiner Arbeit als Klinikseelsorger: mitmenschpfarrer.de


Woher ich komme

Ich war viele Jahre Gemeindepfarrer und in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig. Von 2010 bis 2022 war ich Propst in der Kirchenleitung der EKHN. Ich kenne die Institution von innen – ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Mechanismen. Nach zwölf Jahren in dieser Position war klar: Es reicht. Nicht aus Frustration, sondern aus Klarheit: Ich will nicht mehr verwalten. Ich will begleiten.

Heute bin ich Klinikseelsorger. Ich arbeite dort, wo keine Liturgie mehr trägt, wo keine Struktur mehr hilft. Wo es nur noch um die Frage geht: Hält der Glaube – oder bricht er?

Ich habe verschiedene Formen von Christentum besucht und durchquert: Gemeindepfarramt und Lobpreisgottesdienste. Akademische Theologie und Pfingstgemeinden. Altkatholische Liturgie und Hauskreise. Kommunitäten in Deutschland, Christen in Südindien und Palästina.

Ich habe überall Gottes Spuren gefunden. Aber keine endgültige Heimat.

Die akademische Theologie hat mir gezeigt, wie man die Bibel liest – aber nicht, wie man betet. Der Fundamentalismus hat mir Gewissheit angeboten – aber keine Freiheit. Das Lobpreis-Christentum hat mir Erfahrung gegeben – aber keine Tiefe.

Ich wollte mehr. Ich wollte einen Gott, der größer ist als meine Vorstellungskraft – und gleichzeitig näher als mein Atem. Einen Glauben, der das Leid aushält, ohne es zu erklären. Eine Hoffnung, die unvollständig bleibt – und trotzdem trägt.


Was mich prägt

Gott als Raum, der Atem gibt. Nicht der allmächtige Lenker, sondern der Gott, der sich ins Leid hineinbegibt. Der mitleidet, aber nicht erklärt. Der Raum schafft, aber nicht kontrolliert.

Ich habe das erlebt: im Schweigen am Sterbebett, wenn keine Worte mehr möglich sind – und im Gespräch, wenn plötzlich etwas trägt, das größer ist als ich. Gott entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Aber manchmal wird er spürbar als Präsenz, die Atem gibt.

Christus als Bruder, der mitgeht. Nicht Richter, nicht König – sondern Begleiter. Der in die Wüste geht, durch die Nacht, ans Kreuz. Und der auferweckt wird – als Zeichen, dass das letzte Wort nicht der Tod hat.

Fragment-Hoffnung statt falscher Gewissheiten. Ich habe keine Antworten auf das Leid. Aber ich habe eine Präsenz. Ich habe Momente, in denen etwas trägt. Das sind keine Beweise – es sind Fragmente. Aber sie halten.


Was mir wichtig ist

Historisch-kritisch und pneumatologisch zugleich. Die Bibel ist für mich Menschenwort über Gott – und gleichzeitig Ort der Gottesbegegnung. Kein Regelwerk, sondern ein Brunnen. Ich unterscheide: Was ist Stein, was ist Wasser? Die Reinheitsgebote im Levitikus – das ist Mauerwerk, Schutz für eine bestimmte Zeit. Die Bergpredigt, das Magnificat, die Psalmen – das ist Wasser. Die Wände schützen das Wasser, das Wasser gibt den Wänden Sinn.

Mystik und Politik gehören zusammen. Steffenskys „strukturelle Liebe“ prägt mich: Liebe ist nicht nur Gefühl, sondern Gerechtigkeit. Sie fragt nach ökonomischen und politischen Bedingungen. In der Klinik heißt das: Ich bete mit Menschen – und ich frage, warum das Gesundheitssystem sie krank macht. Beides gehört zusammen.


Das alles wird in meinem Blog wichtig sein. Nicht als Lehrgebäude, sondern als Spur.