Mit Christus den Weg gehen. Die Perlen des Glaubens als Meditation des Jesus-Weges.

Die Perlen des Glaubens Meditation verbindet dein Leben mit dem Weg Jesu. Als der schwedische Bischof Martin Lönnebo 1995 auf einer griechischen Insel durch einen Sturm zum Innehalten gezwungen wurde, nahm er die Perlenbänder der Fischer in die Hand. Aus dieser Begegnung heraus schuf er ein eigenes Band, einen eigenen „Rettungsring“ für die Seele.

Der Ursprung: Vom Vater gesandt

Der Weg beginnt bei der goldenen Gottesperle. Sie markiert Anfang und Ende, Ursprung und Ziel.

Sie steht für den Gott, von dem alles kommt – auch Christus. Das Johannesevangelium sagt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott“ (Joh 1,1). Christus kommt von Gott. Er wird Mensch, tritt in unsere Zeit, geht unseren Weg.

Jesus erzählt vom Kaufmann, der alles verkauft, um die eine kostbare Perle – das Himmelreich – zu erwerben (Mt 13,45-46). Die Gottesperle ist diese eine Perle: das Größte, das Umfassende, das, worum es geht.

Hier beginnt der Weg der Menschwerdung: Aus der Herrlichkeit Gottes tritt Christus in die Zeit. Und du darfst wissen: Woher ich komme, dahin kehre ich zurück. Die Gottesperle umschließt alles.


Taufe und Berufung: Der Beginn des Weges

Nach der Gottesperle und der Ich-Perle folgt die weiße Taufperle. Im Leben Jesu markiert sie den entscheidenden Anfang: seine Taufe im Jordan.

Hier öffnet sich der Himmel. Die Stimme Gottes spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Mk 1,11). Für dich ist dies der Ort der Vereinigung: So wie Jesus das bedingungslose Ja des Vaters empfing, darfst du dich hier als angenommenes Kind Gottes verstehen.

Du bist geliebt – bevor du etwas leistest. Du gehörst dazu – bevor du dich beweist. Du darfst mit Jesus gehen. Die Taufperle sagt: Du bist in den Bund mit Christus hineingenommen.


Die Wüste: Prüfung und Klärung

Unmittelbar nach der Taufe führte der Geist Jesus in die Wüste. Die sandfarbene Wüstenperle symbolisiert diese vierzig Tage der Einsamkeit, des Fastens, der Versuchung (Mt 4,1-11).

Es ist der Ort der Klärung, der Reinigung. Jesus lernt in der Wüste, dass das Leben nicht von Brot allein abhängt, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt. Die Wüste ist Ort der Not – aber auch Ort der Konzentration auf das Wesentliche.

Wenn du diese Perle berührst, trittst du an die Seite Jesu in der Einöde. Du lernst: Zeiten der Dürre gehören zum Weg. Sie sind nicht Strafe, sondern Reifung. In der Wüste fällt das Überflüssige weg. Was bleibt, ist das Elementare: Wasser. Atem. Leben selbst.

Die Wüstenperle lehrt dich, mit Jesus durch die trockenen Zeiten zu gehen – und zu vertrauen, dass es weitergeht.


Das Wirken: Liebe und Gelassenheit

Der öffentliche Dienst Jesu ist geprägt von Zuwendung und absolutem Gottvertrauen. Zwei Perlen spiegeln diese Haltung wider.

Die Perle der Gelassenheit

Die blaue Perle der Gelassenheit erinnert an Jesu Lehre: „Sorgt euch nicht um den morgigen Tag“ (Mt 6,34). Es ist die Haltung der Bergpredigt: Loslassen und vertrauen. Alles in Gottes Hände legen.

Gelassenheit ist nicht Gleichgültigkeit. Sie ist Vertrauen: dass ich nicht alles kontrollieren muss. Dass es einen Grund gibt, der trägt – auch wenn ich ihn nicht sehe.

Halte diese Perle – und lerne mit Jesus, loszulassen.

Die zwei Perlen der Liebe

Die zwei roten Perlen der Liebe verkörpern das Doppelgebot, das Jesus lebte und lehrte: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen […] und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mk 12,30-31).

Die erste Perle steht für die Liebe, die Jesus vom Vater empfängt. Die zweite für die Liebe, die er verschwenderisch an die Armen, Kranken und Ausgestoßenen weitergibt.

Hier wird die Mystik zur Tat. Liebe ist nicht nur Gefühl. Sie wird getan – in der Zuwendung, im Teilen, im Dasein. Die Liebesperlen laden dich ein, mit Jesus zu lieben: Gott, den Nächsten, dich selbst.


Das Geheimnis: Inkarnation und Passion

Der Weg Jesu führt unausweichlich nach Jerusalem. Die drei Geheimnisperlen bereiten auf das Unfassbare vor.

Die ersten beiden Geheimnisperlen – perlmuttfarben, schimmernd – stehen für das Unaussprechliche. Für das Gebet in Gethsemane, wo Jesus mit seiner Angst rang und das Geheimnis des göttlichen Willens annahm: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42). Sie sind der Ort für das, was du nicht verstehst – aber Gott anvertrauen kannst.

Die grüne Schöpfungsperle – Das tiefste Geheimnis

Die dritte Geheimnisperle schimmert grün – die Schöpfungsperle. Sie steht für das tiefste Geheimnis des christlichen Glaubens: die Menschwerdung Gottes.

Gott wird nicht nur ein bisschen Mensch. Er wird ganz und gar Geschöpf. Er bleibt kein unbeteiligter Beobachter, sondern wird Mensch mit allem, was zum Leben gehört: mit Haut und Haar, mit Hunger und Durst, mit Müdigkeit und Schmerz. Er wird Teil der Schöpfung, die er selbst ins Dasein gerufen hat.

Das Johannesevangelium sagt: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Fleisch – das bedeutet: verletzlich, sterblich, endlich. Gott teilt die Geschöpflichkeit mit uns. Er bejaht den Leib, die Erde, das Wachsen und Vergehen.

Die grüne Perle erinnert daran: Gott wird Mensch, damit wir menschlich werden. Damit wir unser Menschsein akzeptieren – mit allen Grenzen, mit aller Zerbrechlichkeit, mit aller Endlichkeit. In Christus wird das Menschliche geheiligt.

Er stellt sich hinein in die Abhängigkeit, in die Begrenztheit, in die Sterblichkeit. Das ist keine Schwäche – das ist die radikalste Form der Liebe.

Und damit bejaht Gott die Schöpfung. Er heiligt die Erde, indem er sie betritt. Er heiligt den Körper, indem er ihn annimmt. Er heiligt das Leben, indem er es lebt – und stirbt.

Die grüne Perle lädt dich ein, dieses Geheimnis zu betrachten: dass Gott sich so tief hineinbegibt in die Welt, dass nichts mehr getrennt ist. Kein Bereich des Lebens, der nicht von Gott berührt wäre. Keine Dunkelheit, in die er nicht hinabgestiegen ist.

Halte diese Perle – und staune über das Geheimnis der Menschwerdung.


Die Nacht: Karfreitag

Dann folgt der tiefste Punkt: Die schwarze Perle der Nacht. Sie ist das Symbol für Karfreitag, für Leid, Folter und Tod am Kreuz.

Hier schreit Jesus die Gottverlassenheit heraus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Es ist der Schrei aus der absoluten Dunkelheit. Die Nacht, in der Gott schweigt.

Die Mystiker nennen das die „Dunkle Nacht der Seele“ – jene Erfahrung, in der alle Gewissheit zerbricht und nur noch die nackte Angst bleibt. Jesus geht durch diese Nacht. Er stirbt wirklich. Er erleidet die absolute Gottesferne.

Die schwarze Perle lehrt dich: Gott ist im Leid nicht fern. Er selbst in Jesus ist durch die tiefste Dunkelheit gegangen. Wenn du diese Perle hältst, bist du in deinem Leid nicht allein. Du bist mit dem leidenden Christus vereint.

Das heißt nicht, dass die Nacht aufhört, dunkel zu sein. Aber es heißt: Du gehst sie nicht allein.


Der Sieg des Lebens: Ostern

Der Weg endet nicht in der Dunkelheit. Auf die Nacht folgt die weiße Perle der Auferstehung.

Sie ist das Symbol des Ostermorgens, des Sieges über den Tod, der Verwandlung. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,25) – das ist die Zusage, die diese Perle umschließt.

Hier vollendet sich der Weg Jesu: Aus der Dunkelheit bricht neues Licht hervor. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Grab ist leer. Christus lebt.

Für dich bedeutet dies: Hoffnung ist nicht nur ein schönes Wort. Sie gründet in der Auferstehung Jesu. Sie ist keine vage Optimismus-Parole, sondern Fragment-Hoffnung – kleine Spuren von Licht in der Dunkelheit. Momente, in denen du spürst: Es gibt mehr als das, was ich sehe.

Die Auferstehungsperle sagt: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Halte diese Perle – und vertraue darauf, dass Gott das Gute nicht fallen lässt.


Das Leben in Christus einfädeln

Die Perlen des Glaubens sind mehr als eine Gedächtnisstütze. Sie sind ein Evangelium zum Anfassen. Ein haptischer Weg der Christusnachfolge.

Durch die Perlen der Stille, die immer wieder den Rhythmus unterbrechen, wird das eigene Leben mit dem Weg Jesu synchronisiert. Jesus ging immer wieder an einsame Orte, um zu beten (Mk 1,35). Die Stille-Perlen nehmen diesen Rhythmus auf: Atem holen. Innehalten. Bei Gott bleiben.

Das Perlenband ermöglicht es dir, deine eigene Biographie – mit allen Höhen und Tiefen, Wüsten und Auferstehungsmomenten – in die Biographie Jesu einzufädeln. Du gehst seinen Weg mit. Und so erfährst du: Du bist auf deinem Weg niemals allein.

Die große Gottesperle am Ende schließt den Kreis. Sie ist dieselbe wie am Anfang. Sie sagt: Woher ich komme, dahin kehre ich zurück. Der Ursprung ist auch das Ziel. In Gott ankommen – das ist die Vollendung.

Du bist von Gott umschlossen. Am Anfang. Auf dem Weg. Am Ende.


Halte die Perlen. Geh den Weg. Mit Christus.